Plattdeutsch-AGs in Sachsen-Anhalt

Plattdeutsch erleb- und lernbar machen
Bis noch vor etwa 100 Jahren war es vor allem im dörflichen Leben vollkommen selbstverständlich, Niederdeutsch zu sprechen. Die Sprache in Küche und Kinderzimmer, auf dem Feld und im Garten war Platt und Kinder lernten die hochdeutsche Sprache oft erst in der Schule. Heute ist es umgekehrt. Weil die Sprache nur noch selten von Generation zu Generation weitergegeben wird, kommt der institutionellen Sprachbegegnung und -vermittlung immer mehr Bedeutung zu. Jedoch ist Niederdeutsch – anders als in anderen Bundesländern – in Sachsen-Anhalt kein Schulfach und selbst in den Volkshochschulen ist die Regionalsprache Mangelware.
Wie in vielen anderen Bereichen gibt es jedoch auch auf dem Feld der Sprache engagierte Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Niederdeutsch erleb- und lernbar zu machen. Dazu bilden sie an oder zusammen mit Schulen sogenannte Plattdeutsch-Arbeitsgemeinschaften, auch AGs genannt. Mit viel Courage, großen Herzen, einer tüchtigen Portion Geduld und auch reichlich Spaß vermitteln auf diese Weise Lehrerinnen und/oder Freiwillige in Domersleben, Flessau, Großmühlingen, Hohendodeleben, Kroppenstedt, Magdeburg, Schlanstedt und Wegeleben einer neuen Generation die Grundlagen ihrer Regionalsprache. Dabei wird vor allem auf eine integrative Vermittlung Wert gelegt, die mit viel Abwechslung, Spiel und Bewegung aufwartet. Ob Theaterstücke, Lieder, Spiele oder Filme: So macht Lernen Spaß.
Höhepunkte des AG-Jahres
Selten bleiben die Kinder und Jugendlichen in den Plattdeutsch-AGs unter sich. Sie haben mit der niederdeutschen Sprache eine besondere Kompetenz erworben und die weckt Interesse. Deshalb sind viele AGs regelmäßig in ihrem Ort oder ihrer Region unterwegs und bringen das Gelernte zum Vortrag. Ob beim Weihnachtsmarkt oder im Altenheim, beim Sommerfest oder zum Vorlesetag in Bibliotheken: Platt ist Kulturgut, manchmal lustig, manchmal nachdenklich und kommt immer gut an, nicht nur bei den Älteren.
Ein Highlight im AG-Jahr ist das plattdeutsche Landeslesefest, das jedes Jahr mit großzügiger Unterstützung des Ostdeutschen Sparkassenverbands in Magdeburg stattfindet. Hier treffen sich möglichst viele AGs und auch einzelne Vortragende, um auf großer Bühne Platt zu lesen, zu singen, zu spielen oder anderweitig vorzutragen. Dabei sind jedes Jahr alte und neue Talente zu entdecken und die Freude über den erfolgreichen Auftritt (sowie den einen oder anderen tollen Preis der Sparkassen) ist riesengroß.
Ein Büdel voller Platt
Niederdeutsch umgibt uns in Sachsen-Anhalt selten unmittelbar und um der Regionalsprache im Alltag zu begegnen, muss man mitunter schon sehr genau hinhören. Deshalb braucht es für die Sprachbegegnung und vor allem für das Sprachenlernen Medien, die die Sprache erlebbar machen – im Idealfall in der jeweils regionalen Varietät, denn Plattdeutsch ist nicht gleich Plattdeutsch.
Der Landesheimatbund versorgt deswegen möglichst alle Kinder in Sachsen-Anhalt, die in einer AG lernen, mit dem sogenannten Plattdüütschbüdel, einer wetterfesten grünen Umhängetasche, die ihren Dienst auch bei norddeutschem Schietwetter noch tut. Ausgegeben wird der Büdel mit niederdeutschem Lernmaterial, extra hergestellt für die AG-Arbeit in Sachsen-Anhalt und oft zusammen mit Studierenden der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg entwickelt. Dabei sind neben der plattdeutschen Fibel für Sachsen-Anhalt je nach Region diverse Lesehefte, Spiele, CDs, Hausaufgabenhefte, Wochenkalender und DVDs als Klassensatz enthalten. Alles kostenlos und natürlich op Platt.