Dokumentation lebendigen Kulturerbes
Lebendiges Kulturerbe umfasst vielfältige Formen einer lebendigen Alltagskultur – von Festen und Bräuchen, älteren und jüngeren Traditionen bis hin zu alltäglichen kulturellen Praktiken. Die Beratungsstelle Alltagskulturen dokumentiert solche kulturellen Ausdrucksformen in Sachsen-Anhalt mit Beiträgen und fotografischen Aufträgen. Dabei orientiert sie sich am Verständnis des immateriellen Kulturerbes der UNESCO, richtet den Blick aber auch auf Praktiken, die bislang nicht als Kulturerbe gelistet sind.
Schwesternschaft der Perpetuellen Indulgenz
Die Schwesternschaft der Perpetuellen Indulgenz, gegründet 1979 in den USA, versteht sich als queerer Orden des 21. Jahrhunderts. Sie verbindet Drag-Kultur mit religiösen Ausdrucksformen, engagiert sich für queere Anliegen und in der HIV/AIDS-Aufklärung, ist auf Demos präsent, sammelt Spenden und gestaltet eigene Rituale. 2025 wurde in Magdeburg die Missionarin für Sachsen-Anhalt geweiht. aufgenommen: 2025
Grasedanz im Harz
Der Grasedanz wird als traditionelles Fest der Frauen zum Ende der Heuernte in Hüttenrode im Harz gefeiert. Beim mehrtägigen Fest werden Grasekönigin und -prinzessin ermittelt. Sie führen den Festumzug mit geschmückten Heukörben und -harken an. Höhepunkt ist dann die Versteigerung des Heus und ein Tanz mit der Grasekönigin. aufgenommen: 2022
Groß-Neujahr in Friesdorf
Groß-Neujahr wird jeweils am zweiten Sonntag im Januar in Friesdorf begangen. Unverheiratete Männer ab 14 Jahren, Hexe, Erbsbär, Bärenführer, Burschen und Blaskapelle bringen Neujahrsgrüße, sammeln Spenden und stärken mit Umzug, Ständchen und Festgemeinschaft den sozialen Zusammenhalt im Ort.
Die Landesbergparade in Bad Suderode
Die Landesbergparade in Bad Suderode ist ein modernes Ritual in historischem Gewand. Berg- und Hüttenvereine, Familien und die örtliche Festgemeinschaft verbinden Barbarafeier, Grubenlichtermarkt und Bergmannstradition zu einem vorweihnachtlichen Höhepunkt. aufgenommen: 2022
Brühtrogpaddeln in Rossdorf
Das Brühtrogpaddeln in Roßdorf, einem 500-Einwohner-Dorf am Elbe-Havel-Kanal im Jerichower Land, entstand 1990 im Zuge der deutschen Wiedervereinigung als origineller Wettkampf zum Besuch der hessischen Partnergemeinde gleichen Namens. Dabei paddeln Teilnehmerinnen und Teilnehmer ab acht Jahren in ausgedienten hölzernen Brühtrögen, wie sie früher zur Hausschlachtung dienten, über eine 60-Meter-Strecke, begleitet vom Ruf „Brühtrog kipp!“ für alle, deren Boot vollläuft. Ergänzt wird der Wettbewerb seit 25 Jahren durch den „Tüftleralarm“, eine Parade selbstgebauter Wasserfahrzeuge, sowie durch Tombola, Blasmusik und Kinderfest. Mittlerweile von einem 2013 gegründeten Verein mit 34 Mitgliedern getragen, lockt das Fest bis zu 3.000 Gäste ins kleine Roßdorf und gilt als eine der ältesten Veranstaltungen dieser Art in Deutschland. aufgenommen: 2022